Die Meinung - Was bedeutet Meinung? Was ist wahre Autorität? Wodurch unterscheidet sich der wahrhaftige Mensch vom einfältigen

Die Meinung

Eine Meinung ist ein Knäuel aus Gefühlen, Erinnerungen, vagen Gedanken und nicht zu Ende gedachten Gedankengängen.

Es gibt empirisch existierende, ähnlich funktionierende Strukturen, die der Meiung gleichen. Darunter fallen

  1. das Klischee
  2. die Norm
  3. die Denkweise
  4. die Auffassung
  5. das Verständnis
  6. die Einsicht

Generell gesprochen -bezogen auf die beliebige einzelne nationale Gemeinschaft- gibt es diese Strukturen überall, wofür das Existieren des Wortes Mein-ung in vielen Sprachen genug Beweis ist, engl., frz. opinion.

Die Abweichungen der Begrifflichkeiten spielen natürlich eine wichtige Rolle. Allerdings haben alle diese Kategorien ein normatives Moment: dass es überhaupt eine Norm geben soll.

Während Regeln selbstverständlich nützlich und nötig sind sowie auf Tatsachen fußen und auf Einsicht, ist die Meinung ein rekursives Gebilde. Sie unterscheidet sich von anderen Normen, denen wiederum normative Komponenten zugrunde liegen, insofern als sie eine Metanorm darstellt, die darauf ausgerichtet ist, sich selber zu rechtfertigen. Das sehen wir daran, dass es überhaupt eine Meinung gibt, dass die Gesellschaft eine Meinung braucht.

Nicht genug, dass ein Mensch eine Meinung zu einem Thema braucht, sondern er braucht eine »eigene Meinung«, wobei unklar bleibt, worin sich die eigene Meinung von derselben Meinung, die aber auch ein anderer hat, unterscheiden mag. Auch braucht er eine »persönliche Meinung«, d.h. eine auf ihn oder sie eigens zugeschnittene Meinung -was immer das auch sein mag-, wodurch jene Person vollends in die Irre geführt wird, folgt sie dieser Denkweise.

Betrachten wir den unmündigen Menschen doch wie er ist. Hat dieser je eine persönliche Meinung gehabt? Er ist ein Herdentier, er lässt sich führen, da das nicht so aufwändig ist, wie selber zu denken.

Sie rudern zusammen und treiben das Boot an. Symbol der Einheit einer Gesellschaft. Nur, dass die Gesellschaft auch gemeinsam in die falsche Richtung steuern kann, weshalb gesellschaftliche Tendenzen jedem rechtschaffenden Menschen suspekt sein sollen.

Erscheint etwas auch nur ansatzweise plausibel -Plausibilität ist eine wirre Vorwegnahme eines logischen Zusammenhangs-, so stürzt er sich direkt auf diese »Wahrheit« und macht sie sich zu eigen, z.B.: Der und der hat das und das gesagt, daher ist das so. Genaues Denken aber, Überdenken, das mit Sorgfalt durchgeführte Denken, führt zur Einsicht, entweder eine Einsicht, die etwas versteht und überblickt oder zur Einsicht, dass es sich bei einer Antwort eben nur um eine Vermutung handelt, denn nicht alle Fragen können abgehandelt werden. Das Wesen der Einsicht aber ist, dass zwei Menschen sie teilen können, was beweist, dass es keine persönliche Wahrheit gibt.

Derartige ungeschriebene Metaelemente engen den Menschen ein. Da allerdings sein gesamtes Leben von dieser Denkweise geformt wurde, hat der unmündige Mensch nicht die Möglichkeit, sich von Ihnen zu befreien, hat er doch keine Instrumente zur Hand, um sie zu hinterfragen. Gelernt hat der Unmündige zu glauben, zu meinen, zu fühlen, aber nicht zu fragen, zu zweifeln oder gar aufzubegehren. Jegliches Gefühl von »ich bin hier fehl am Platze« wird zerstört. Dem Menschen wird von Anbeginn eingetrichtert, alles sei in Ordnung, wie es sei, die Dinge seien so als gegeben hinzunehmen und nicht zu hinterfragen, allerdings wird an der Oberfläche zu kratzen gebilligt. Man selbst habe sich anzupassen, hat man ein Problem mit der Gesellschaft, so hat man eins mit sich selbst, d.h. man selber ist Schuld und man solle doch gefälligst an sich arbeiten. Das ist die große Tragödie in der wir stecken, es ist eine Sackgasse. Da der unmündige Mensch aber ein Herdentier ist, wird dieser niemals aus der Falle entkommen, da er immer mit anderen zusammen entrinnen will. Hier allerdings kommt er nur allein raus. Ist der Mensch nicht bereit dazu, einsam zu sein, entgegen andere, Dinge zu tun, zu unternehmen, zu denken, also letztendlich zu handeln und hört er nicht endlich mal auf, nur Rhetorik zu betreiben, dann bleibt er auch da, wo er sich zur Ruhe begeben hat. Will der Mensch aber ein einziges Mal authentisch sein, im Sinne von lebendig, wirklich, ehrlich, will er etwas bewegen und nicht nur wirtschaftlich, sondern sehnt auch psychologisch einen Wandel herbei, so ist er völlig auf sich selbst gestellt, denn selten gibt es Menschen, die sich der vorherrschenden Mein-ung entgegenstellen. Menschen wie Rosa Luxemburg werden entweder ausgegrenzt oder erschossen. Diese Menschen sind die wahren Wegbereiter, sie sind herzenslieb, da sie die Apfelbäume pflanzen, während der Unmündige nur Äpfel essen kann.

Es wird oft gesagt, dass der Mensch egoistisch ist und nur an seinen eigenen wirtschaftlichen Vorteil denkt. Das mag sein. Allerdings spielt hier auch eine Rolle, dass der Mensch nicht alleine wirtschaften kann. Will der Mensch, dass es ihm gut geht, so muss er auch dafür sorgen, dass es dem Nachbarn gut geht, denn sonst wird er von ihm ausgeraubt. Will er Handel treiben, so muss er dafür sorgen, dass der Marktplatz sauber ist, also auch sein soziales Wesen pflegen, er darf nicht betrügen, denn der Betrogene hat dann keine Mittel mehr, um bei dem Dritten einzukaufen, der Dritte aber wird dadurch auch in den Ruin getrieben und kann dann bei dem ersten Menschen in der Kette nicht mehr einkaufen. So ist das Problem also nicht der Egoismus des Menschen, sondern ausschließlich seine Unwissenheit und Uneinsichtigkeit. Würde er das einfache Gesetz berücksichtigen, dass alles eine Kausalität besitzt, dass wir dem Mitmenschen immer, auch wenn wir es nicht wollen, verbunden sind, so würde der Egoismus -der dazugehört- uns nicht zum Leid gereichen. Das Problem an dem Begriff Egoismus ist, dass sich diese Momente darin vermischen. Ist es doch einerseits gut, sein Wohlergehen im Blick zu haben, so ist es andererseits für alle ein Problem, wenn der Einzelne ausschließlich auf sich bedacht ist und das Ganze aus den Augen verliert. Lat. Ego bedeutet Ich. Nun ist es nichts Schlechtes -wie dargelegt- mit sich selbst sorgsam umzugehen, da dies aufgrund der unweigerlichen Verbundenheit mit anderen Menschen auch immer die anderen mit einschließt. Zu leicht kippt das Wort Egoismus um und es versteckt sich dahinter die List, dem anderen Altruismus ans Herz zu legen und damit -obendrein unwissend- zu erdrosseln, während man selbst fröhlich die Früchte auf dem Acker anderer erntet sowie die Selbstsucht pflegt, ist doch der Altruismus und der Egoismus in diesem normativen Sinne das abscheulichste, menschenfeindlichste Konzept, das der Mensch je dem Mitmenschen angetan hat, indem er es ersonnen hat.

Letztendlich ist es dieser ungeschriebene Normenkatalog, der die Identität einer Nation -sofern es denn eine gibt, was ebenfalls zu bezweifeln wäre- ausmacht. Jede Kultur hat ihre Errungenschaften. Die Ägypter haben ihre Pyramiden, allerdings sind die schon fast verfallen, der Franzose seinen Eifelturm, der Deutsche sein Schloss Neuschwanstein, sein Hefeweizen, Wagner und Schiller und Goethe. Am unteren Ende der hierarchischen Leiter stehen die trotz Ihrer Größe Gescheiterten und dennoch oder daher relativ Geringgeschätzten, Heine, Beethoven, E.T.A. Hoffman u.a. Nun lässt sich sagen, dass solcherlei physikalisch vorliegenden Errungenschaften, also Sehenswürdigkeiten, von Ihrer Wertigkeit her niedriger positioniert sind und nicht dieselbe Bedeutung haben wie psychologische Errungenschaften. Das sich körperlich manifestierende kulturelle Erbe der Deutschen wird gepflegt, da es finanzielle Vorteile gibt und weil es genutzt wird, um sich mit anderen Errungenschaften anderer Völker zu messen oder nicht ohne sichtbare Manifestierung des volkstümlichen dazustehen. Stellt man die beiden Brüder, den Deutschen und das »Französchen« nebeneinander, so fragt man sich, wer größer ist, ist doch der Vergleich und der Wettstreit der Nationen eine Unfrieden schaffende Denkweise, die unaufhörlich in unseren Köpfen herumgeistert, da wir ihr tagtäglich begegnen und sie von Kindesbeinen an einüben. Der wahre Erdenbürger aber denkt nicht in Begrifflichkeiten wie mein Volk, dein Volk. Er fühlt sich überall zu Hause, wo er ein Brot und ein Dach hat. Er beurteilt seinen Mitmenschen nicht danach, ob er Iraner oder Jude ist, sondern ob er tüchtig und ehrlich ist.

Die Meinung, das ist schließlich der Motor der Gesellschaft. Was dieser Begrifflichkeit zugrunde liegt, ist die Auffassung, dass es keine Wahrheit gibt im Sinne von »WAS IST«, sondern jeder hat das gute Recht, seine eigene Meinung zu haben. Ob sie zur Geltung kommt, ist wieder was ganz anderes. Dabei werden Meinungen »gemacht«, was man auch Meinungsmache nennt. Wer am besten Meinungsmache betreibt und diese zweifelhafte Kunst besser beherrscht, ist ein Experte, wobei der Begriff Experte auch eine nützliche Bedeutung hat. Hinsichtlich des Expertentums gibt es nämlich zweierlei Experten: solche, die wahre Experten auf einem technischen Gebiet sind und die Wichtigtuer. Die Wichtigtuer sind die falschen Experten, die mit geborgter Autorität, Halbwissen, Aggression, Rhetorik und Prunk auftreten und so Wissen und Einsicht vorzutäuschen wissen, deuten doch die teure Uhr oder der edle Zwirn nicht auf Intelligenz und Ehrbarkeit. Allerdings werden diese oft verwechselt.

Der Experte, der aber seine Meinung und sein Halbwissen als Wissen oder gar als Fakt aufbereitet, dieser ist der größte Schädling von allen, reicht er doch anstelle einer reichhaltigen Suppe nur eine wässrige Brühe, die obendrein auch noch seine Autorität festigen und ihm Geltung verschaffen soll. Durch sein Auftreten verkörpert er den Illusionisten, der, gleich einem Magier, andere nicht mit Wissen und Wahrheit beschenkt, sondern durch Äußerlichkeiten und Annehmlichkeiten den Zuschauer -zu einem solchen wird der Unmündige degradiert- unterhält und dabei belügt und vergiftet anstatt seinen Mitmenschen und der Gesellschaft Nützliches zurückzugeben. Schädlich ist er besonders in der Hinsicht, dass er den anderen Menschen seine falsche Autorität derart vorspiegelt, dass sie sich angesichts seiner vorgegaukelten Größe miserabel und klein fühlen, geblendet und daher sprachlos sind, ist doch Sprachlosigkeit etwas, das man niemandem wünscht.

Dem Unmündigen aber kommt diese Art von Expertentum entgegen, er liebt die Sprachlosigkeit, besonders derer, die ihm sein wahres Dasein vor Augen führen, da er dann seinen eigenen, ohnehin schon verfallenen Denkapparat nicht bemühen muss. Das Gift des falschen Experten ist diesem ein Labsal, fühlt er sich doch in seinem unwürdigen Elend, verursacht durch ebensolche Falschheit, bestätigt. Groß fühlt sich der Unmündige nur, wenn ihm der falsche Experte Größe einredet. Ist der Unmündige in seinen vier Wänden, so befallen das Elend und die Einsamkeit ihn umso mehr, denn die Lüge der anderen ist ihm eine Droge, die er unbedingt braucht zur Fortführung der Lüge und des fälschlichen Wesens. Die bloße Anwesenheit eines intelligenten Menschen beleidigt den Unmündigen, denn Freude, Glück und Ehrlichkeit strahlen solche Menschen aus. Der Unmündige aber ist immer darauf aus, das bisschen Glück, das diese Welt für den aufrichtigen, wahrhaftigen Menschen noch bereithält, zunichte zu machen, da er den Ehrbaren gleich einem Wurme im Staube erniedrigt und sich winden sehen will, so wie er es selbst, sterbend vor Unglück, tut. Dass er selbst der Urheber seines Unglücks ist, das will der Unmündige nicht wahrhaben, ist doch der Wahrheit ins Angesicht zu schauen recht unangenehm.

Aus diesem Grund hat sogar der nützliche Experte auf einem Gebiet nur so viel Autorität, wie ihm nicht von dem falschen Experten genommen ist und er allein hat daher die Möglichkeit, in der Weise seine Meinung zu sagen, ohne dass die Äußerung als unschicklich aufgefasst würde. Nur so wird die Meinung zu einer fundierten wissenschaftlichen Stimme, die aber immer nur eine von vielen Stimmen ist, auch wenn sie auf peniblen mathematischen Berechnungen beruht; so verhindert die Falschheit gepaart mit Mißgunst und Neid, dass ein Fakt je zum Fakt werden kann und darin liegt bösartige Taktik. Das Tragische daran ist, dass in dieser Hinsicht der ehrbare Mensch dem Unmündigen, der auch falscher Experte ist, nicht das Wasser reichen kann, hat der Unmündige doch von Kindesbeinen an gelernt zu taktieren, intrigieren. Er wird zur Lüge abgerichtet, was dem wahrheitsliebenden Menschen sehr zum Schaden gereicht. Taktieren und Intrigieren werden von unmündigen Menschen als Tugend dargestellt. Diese Pseudowissenschaft vergiftet unsere Gemeinschaft und zerstört jegliche Grundlage für ein friedliches Zusammenleben. Die Stimme (eine gewichtige Meinung) ist der einfachen Meinung eines Laien insofern übergeordnet und Fakten sind unerwünscht, da sie zum Handeln führen könnten. Der Laie hat zwar nicht immer das Wissen und die Erfahrung des Experten, aber ist er deswegen nicht imstande zu denken? Fakt bleibt Fakt, egal von wem dieser vorgetragen wird, es sei denn man verdreht den Fakt, dem sich windenden, krummen Wachstum eines Weinstockes ihn gleich machend.

Am Horizont ist es düster.
Description: Was bedeutet das Wort Meinung? Wir erklären die Bedeutung des Wortes Meinung und decken die Falschheit desselben auf. Menschen rudern zusammen und treiben das Boot an. Symbol der Einheit einer Gesellschaft, nur dass die Gesellschaft auch gemeinsam in die falsche Richtung steuern kann, weshalb gesellschaftliche Tendenzen jedem rechtschaffenden Menschen suspekt sein sollten.

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Geschrieben:
Sprache: de (Deutsch)

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