Eine Wesentliche Grammatik - Was ist Valenz? - Angaben und Ergänzungen - Subjekt und Objekt - die Wechselpräpositionen
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Synopsis: Dieser Abschnitt aus meinem Buch Eine Wesentliche Grammatik handelt von Valenz. Das Konzept von Valenz ist unentbehrlich, wenn man eine Sprache tiefgehend verstehen will, denn es sind die Aktivitäten und Geschehen - bezeichnet durch Verben -, die die Struktur des Satzes bestimmen. Hier lerne ich den Sinn und Zweck von Nominativ, Akkusativ und Dativ zu verstehen und kann diese Kasus somit besser einsetzen.

Keywords: Deutsch, Grammatik, Direktivergänzung, Valenz, Nominativ, Nominativergänzung, Akkusativergänzung, Objekt, Akkusativobjekt, Dativobjekt, Subjekt, Präposition, Präpositionalphrase, Präpositionalobjekt
Erstpublikation:
Aktualisiert, ergänzt und für Html adaptiert:
Sprache: de (Deutsch)

Valenz

Ergänzungen und Angaben

Verben haben die wesentliche Eigenschaft, sich mit anderen Wörtern oder Wortgruppen zu verbinden. Diese Gruppen nennen wir Satzglieder.

Satzglieder können Nomen sein.

Ich mag das Wetter.

Satzglieder können Pronomen sein.

Er mag mich.

Satzglieder können Adjektive sein.

Das ist aber schön.

Satzglieder können Adverbien sein.

Er wohnt dort.

Satzglieder sind wie Kinder in einer Familie. Dabei sind Ergänzungen vergleichbar mit den leiblichen Kindern und Angaben mit Stiefkindern. In der Dependenzgrammatik nennt man das „Valenz“. Verben unterscheiden sich hinsichtlich Schreibung, Bedeutung und Valenz.

Man unterteilt Satzglieder in diese Subklassen:

Ergänzungen

  • Subjekt (Nominativergänzung)
  • Akkusativergänzung
  • Dativergänzung
  • Direktivergänzung
  • Situativergänzung
  • Präpositionalergänzung
  • Genitivergänzung

Angaben

  • Kausale Angabe (Grund)
  • Lokale Angabe (Ort)
  • Temporale Angabe (Zeit)
  • Konzessive Angabe (Einräumung)
  • Instrumentalangabe (Mittel)
  • Modalangabe (Art und Weise)

Zum Verb sehen passt ein Nomen im Akkusativ.

Erich sieht die Kiste.

Einfügen kannst du auch eine Zeitangabe:

Er sah gestern die Kiste.

Oder eine Präposition mit einem Nomen:

Erich sah in die Kiste.

Zur Veranschaulichung könnte man sich auch überlegen, was nicht so gut passt:

Zum Verb helfen passt z.B. kein Akkusativ:

Erich hilft sie.

Richtig heißt es: Erich hilft ihr. Beispielhaft sei auch die Valenz von lieben erläutert:

  • Er liebt seine Mutter.
  • Er liebt seine Bücher.
  • Er liebt seinen Hund.

Das Satzmuster dazu ist:

Subjekt (Nominativ) - lieben - Akkusativergänzung.

Im Kapitel Kasus hatten wir das Satzmuster:
Subjekt - ernten - Akkusativergänzung.

Der Imker erntet den Honig.

Betrachten wir das Verb gehen:

Subjekt - gehen - Richtungsergänzung.

Was Ergänzugen betrifft, spricht die Fachliteratur von Spezifität und meint damit, dass Ergänzungen charakteristisch sind für bestimmte Verben. Es handelt sich um eine Ergänzung, weil man gewöhnlicherweise mit dem Verb gehen sagt, wohin man geht.

Er geht in die Schule.

Valenzplan:

Nominativ (Subjekt) - Verb - Präposition - Akkusativ

Präposition und Akkusativ (in die Schule) sind die Richtungsergänzung (Direktivergänzung).

Betrachten wir das Verb sein:

Subjekt - sein - Situativergänzung

Es handelt sich um eine Ergänzung, weil man mit dem Verb sein oft mitteilt, wo man ist (sein ist der Infinitiv von ist).

Er ist in der Schule.

Valenzplan:

Nominativ (Subjekt) - Verb - Präposition - Dativ

Präposition und Dativ (in der Schule) sind die Situativergänzung.

Die Kasus der Personalpronomen

  • M. = Maskulinum
  • F. = Femininum
  • N. = Neutrum
  • 1. Ps. Sg. = 1. Person Singular
  • 2. Ps. Sg. = 2. Person Singular
  • 3. Ps.Sg. = 3. Person Singular

„Singular“

1. Ps. Sg. 2. Ps. Sg. 3. Ps. Sg. 3. Ps. Sg. 3. Ps. Sg.
M./F./N. M./F./N. M. F. N.
Nom. ich du er sie es
Akk. mich dich ihn sie es
Dat. mir dir ihm ihr ihm
Gen. meiner deiner seiner ihrer seiner

„Plural“

1.Ps.Pl. 2.Ps.Pl. 3.Ps.Pl.
M./F./N. M./F./N. M./F./N.
Nom. wir ihr sie
Akk. uns euch sie
Dat. uns euch ihnen
Gen. unser euer ihrer
  • 1. Ps. Pl. = 1. Person Plural
  • 2. Ps. Pl. = 2. Person Plural
  • 3. Ps. Pl. = 3. Person Plural

Betrachten wir im Rahmen der Angaben folgenden Satz:

Erich holt Eier.

Das Verb holen wird so gebraucht:

Subjekt (Nominativ) -holen- Akkusativergänzung.

Es handelt sich ebenfalls um eine Ergänzung, weil wir hier ein für dieses Verb typisches Sprachmuster erkennen können.

Angaben sind die „Stiefkinder“ von Verben wie holen. Man kann sie beliebig hinzufügen, z.B. die lokale Angabe:

Er holt es im Laden.

Wir können eine Grundangabe hinzufügen (kausale Angabe, Angabe des Grundes):

Er holt es aus Liebe zu ihr.

Wir können eine Zeitangabe einfügen (temporale Angabe):

Er holt es morgens.

Weitere Angaben sind denkbar.

Konzessiv:

Er holt es trotz des Regens.

Modal (Art und Weise, Fragewort ist wie):

Er holt es mit Freude.

Instrumental:

Er holt es mit dem Auto.

Wichtige Satzmuster

  • S = Subjekt
  • V = Verb
  • Akk. = Akkusativ
  • Dat. = Dativ
  • Adj. = Adjektiv

  • S - V - Akk.
  • S - V - Dat.
  • S - V - Dat. - Akk.
  • S - V – Richtungsergänzung (Wohin?)
  • S - V – Situativergänzung (Wo?)
  • S - V - Akk. - Adj.
  • S - V - Adj.

Dazu Beispiele:

  • Er liebt sie.
  • Er hilft ihr.
  • Er gibt ihr das Buch.
  • Er geht in die Buchhandlung.
  • Er steht in der Buchhandlung.
  • Er findet es gut.
  • Das Wetter ist schön.

Der Fachbegriff für diese Muster ist Valenz, zu Deutsch Wertigkeit. Jedes Verb der deutschen Sprache hat eine eigens auf sich zugeschnittene Valenz.

Das Verb sein z.B. verbindet sich dabei manchmal mit zwei Nomen/Pronomen/Gruppen auf einzigartige Weise. Es vereint sich links und rechts mit einem Nominativ:

  • Wasser ist ein Element.
  • Der König ist ein guter König.
  • Das ist es.

Verben verbinden sich mit den reinen Kasus direkt (Nominativ, Akkusativ, Dativ) oder mittels Präposition. Dabei kommt der Akkusativ in direkter Verbindung mit dem Verb öfter vor als der Dativ:

  • Er liebt sie.
  • Er holt den Brief.
  • Er kauft ein Buch.

Dabei kann oder muss auch ein Dativ mitspielen:

  • Er holt ihr den Brief.
  • Er kauft ihr ein Buch.
  • Er kauft dem Sohn ein Buch.
  • Er schenkt ihm ein Buch.

Oder der Akkusativ bleibt ganz weg. Eine solche Valenz haben aber nur wenige Verben (reine Dativverben):

  • Er hilft ihm.
  • Es gefällt ihm.
  • Es glückte ihm.

Dativverben benötigen meistens auch einen Akkusativ, so dass folgendes Satzmuster gilt:

Nominativ - Verb - Dativ - Akkusativ.

Beispiele:

  • Der Vater schenkt dem Sohn ein Buch
  • Die Lehrerin gibt ihrem Schüler Hausaufgaben.

Satzglieder verhalten sich so, als hätten sie einen „Slot“ (Englisch für Steckplatz) beim Verb. Du kannst die Position der Slots vertauschen, dabei ist das Subjekt aber immer auf Position I oder auf Position III, d.h. entweder vor oder hinter dem Verb, denn das Verb steht im Aussagesatz immer auf Position II. Das Subjekt kreist im Konstativsatz (Aussagesatz) also immer wie ein Satellit um das Verb:

  • Ihr holt er den Brief. Er holt ihr den Brief.
  • Ihr hört er zu. Er hört ihr zu.
  • Das Buch kauft er ihr. Er kauft ihr das Buch.
  • Ihr kauft er das Buch.

Manche Verben verbinden sich gern mit Adjektiven:

  • Die Morgenröte ist schön.
  • Das Fest wird gut.
  • Das Fest wird bunt.

Für das Bilden von Sätzen mit bestimmten Verben benötigt man eine Präposition. Präpositionen sind kleine Fügewörter. Sie sind quasi der Mörtel innerhalb von Sätzen:

„Sätze mit Präposition“

Subjekt Verb Präposition Artikel Nomen
Er hofft auf Regen.
Sie klettert auf den Baum.
Sie ist auf dem Baum.
Vater kommt von der Arbeit.

Präposition + (Artikel + Adjektiv) + Nomen nennt man eine Präpositionalphrase. Die Präpositionalphrase ist sehr oft ein Satzglied. Ob sie Ergänzung oder Angabe ist, muss man für jedes Verb einzeln prüfen, wir wissen ja mittlerweile: Zeit, Grund und Modalität sind Angaben und auch diese können anhand einer Präpositionalphrase ausgedrückt werden. Die Präposition an sich hat keinen Kasus und die Präpositionalphrase ist kein „reiner“ Kasus. Präpositionen stellen eine Beziehung zwischen Objekten her:

Bei der Präpositionalergänzung ist die Präposition nicht austauschbar:

  • Erich denkt an Pizza.
  • Erich denkt über die Helena.
  • Erich denkt von gestern.
  • Erich denkt an gestern.
  • Erich denkt an die Schule.

Bei der Richtungsergänzung ist dies aber möglich:

  • Er geht in die Schule.
  • Er geht auf das Postamt.
  • Er geht unter die Dusche.
  • Er geht auf die Schule.
  • Er geht zur Schule.

Meist wird bei der Präpositionalergänzung keine räumliche Beziehung beschrieben, sondern eine logische Beziehung. Mit der Phrase hat das Verb ein festes Muster gebildet. Es heißt z.B. sich gewöhnen an und nicht sich gewöhnen auf. Weitere Beispiele:

  • Er gewöhnte sich an das große Haus.
  • Er hält nichts von diesen Leuten.
  • Ich freue mich auf das neue Spiel.

Muster:

  • S - sich gewöhnen an + Akk. (Präpositionalergänzung)
  • S - nichts/viel halten von + Dat. (Präpositionalergänzung)
  • S - sich freuen auf + Akk. (Präpositionalergänzung)

Auch haben Präpositionalergänzungen einen festen Kasus. Einige Präpositionen bei Verben mit einer Richtungsergänzung können auch einen anderen Kasus binden:

Sie freut sich auf ihren Geburtstag. Die Präposition ist nicht austauschbar. Die Präpositionalergänzung hat einen festen Kasus und eine feste Präposition. Hier hingegen sind die Präposition und der Kasus austauschbar:

  • Er läuft in den Park. (Richtungsergänzung mit Akkusativ)
  • Er läuft im Park. (Situativangabe mit Dativ)
  • Er läuft auf der Straße. (Situativangabe mit Dativ)
  • Er spielt auf dem Hof. (Situativangabe mit Dativ)

Die Präpositionen in, an, auf, über, unter, hinter, vor, zwischen, neben verbinden sich mit Akkusativ oder Dativ.

  • in das (=ins) Haus (Akk.) in dem Haus (=im, Dat.)
  • an die Wand (Akk.) an der Wand
  • auf das (aufs) Haus (Akk.) auf dem Haus (Dat.)
  • über die Tür (Akk.) über der Tür (Dat.)
  • unter das Bett (Akk.) unter dem Bett (Dat.)
  • hinter die Tür (Akk.) hinter der Tür (Dat.)
  • vor den Schrank (Akk.) vor dem Schrank (Dat.)
  • zwischen die Tür und das Bett (Akk.)
  • zwischen der Tür und dem Bett (Dat.)
  • neben den Schrank (Akk.) neben dem Schrank (Dat.)

Folgende wichtige Präpositionen haben nur einen Kasus:

  • von + Dativ
  • bei + Dativ
  • zu + Dativ
  • durch + Akkusativ
  • Er kommt vom (=von dem) Friseur.
  • Er ist beim (=bei dem) Friseur.
  • Er geht zum (=zu dem) Friseur.
  • Er klettert durch das Fenster.

Je nachdem, ob ein Ziel anstrebt wird oder eine Situation (Zustand), verbinden sich die sogenannten Wechselpräpositionen mit Akkusativ oder Dativ:

Ich gehe in die Schule. „In die Schule“ ist ein Ziel, daher steht nach der Präposition „in“ der Akkusativ. Wir erkennen diese Sätze an der Frage: Wohin? Wenn ich das Fragewort „wohin“ benutze, dann ist die Antwort bei der Wechselpräposition immer ein Nomen im Akkusativ. Wohin gehst du? In die Schule. Wenn die Richtungsergänzung bei der Präposition „zu“ steht, dann ist diese Richtungsergänzung (oder Direktivergänzung) ausnahmsweise mit dem Dativ gebildet. Er geht zum Friseur. Wohin gehst du? Zum Friseur.

Ich bin in der Schule. „In der Schule“ ist eine Situation oder ein Zustand, daher steht nach der Präposition „in“ der Dativ. Wir erkennen diese Sätze an der Frage: Wo? Wo bist du? In der Schule.

Das folgende Schaubild bietet noch einmal eine visuelle Strukturierung, wie man sie im Fremdsprachenunterricht anwenden könnte. Intuitiv erschließt sich dadurch, dass die Artikelgruppen Der, Die und Das eine Einheit bilden. Das große Dreieck (das äußere Dreieck) zeigt die Anordnung der Kasus an allen kleinen Dreiecken. Links unten steht immer der Akkusativ, rechts unten der Dativ und oben der Nominativ. Zwar wurden die Kasus obig schon besprochen, jedoch bietet dieses Schaubild visuell veranlagten Lernern möglicherweise einen besseren Zugang zu den Kasus. Man kann sehr schön erkennen, dass beispielsweise die Artikelgruppe „ Der“ sich zusammensetzt aus „der, den und dem“. Links unten am besagten Dreieck steht „den“, der Akkusativ. Rechts davon steht „dem“, der Dativ. Oben an der Spitze des Dreiecks steht der Nominativ „der“. Man kann die Artikelgruppen auch wie oben in einer Tabelle anordnen. Wie man das macht ist nebensächlich. Wichtig ist, dass der Schüler versteht, dass die Anordnung nicht willkürlich ist, sondern sich nach eigenen Vorlieben und Neigungen richten sollte. Jeder sollte sich sein eigenes Artikelschema in sein Heft schreiben. Lernen ist der Aufbau von Struktur.

Kasus, Strukturelle Ordnung der 
 Kasusgruppen der, die das. Veranschaulicht die Kasus Nominativ, Akkusativ, Dativ
About: Eine Übersicht der Kasus in Form von Kasusgruppen. Hier wird deutlich, dass die Kasus in Gruppen strukturiert sind und dass diese Gruppen daher zusammengehören. Es wird nie heißen: "den Frau". In der Kasusgruppe "die" kommt nämlich der Artikel "den" nicht vor.
Keywords: Kasus, Kasusgruppe, Artikel, unbestimmter Artikel, bestimmter Artikel, deutsche Grammatik
Zielgruppe: Lerner der deutschen Sprache
Sprache: de
Copyright:Karsten Fink
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Breite: 1533
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Größe: 14,3 MB
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