Eine Wesentliche Grammatik - Aktionsarten - Verben und ihre abstrakte Bedeutung im Hinblick auf das Zustanspassiv verstehen
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Synopsis: In vielen Grammatiken der deutschen Sprache findet man wenige bis gar keine Hinweise zu den Aktionsarten. Vielleicht denken Lehrer und Schüler, dass dieses Thema nicht für Lerner relevant ist. Vielleicht liegt es auch daran, dass das Thema einen abstrakten Bereich der Grammatik abdeckt und schon fast in die Philosophie reicht. Es ist lohnenswert sich über Verben Gedanken zu machen, denn sie spiegeln die Aktionen unserer Welt und in ihrem Verständnis liegt ein Schlüssel zum (besseren) Verständnis der Welt. Es ist schon eine philosophische Frage, wenn man sich überlegt, wie lange es dauert, dass (bis?) etwas platzt oder bricht. Was ist der Unterschied zwischen auseinanderbrechen und brechen? Warum bildet man das Perfekt von sein mit sein? Sprache ist nicht das Produkt eines einzelnen Spachteilnehmers, sondern einer Gemeinschaft. Da sie sich innnerhalb eines langen Zeitraumes entwickelt, kann man sagen, sie spiegelt die Natur, sie spiegelt die menschliche Natur und ist daher etwas natürlches.

Keywords: Deutsch, Grammatik, Verb, Aktionsart, Aktionsarten
Erstpublikation:
Aktualisiert, ergänzt und für Html adaptiert:
Sprache: de (Deutsch)

Die Aktionsarten

Die Aktionsarten sind die Grundlage, um die Funktionsweise des Verbs und somit das Perfekt und das Passiv besser zu verstehen. Die Hauptgruppen sind imperfektive und perfektive Verben. Perfektive lassen sich in zwei Untergruppen unterteilen, imperfektive dagegen in vier. Imperfektive kann man auch mit dem aussagekräftigen Begriff „durativ“ bezeichnen. „Durativ“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „andauernd“ von „durare“, dauern. Am Verb träumen kann man das schön erläutern. Die durative Aktion träumen verändert nicht das Subjekt (den Träumer). Das Verb drückt auch nicht den Übergang in einen anderen Zustand aus und die mit diesem Verb beschriebene Tätigkeit dauert in der Regel etwas Zeit. Es handelt sich also um einen unbestimmten Zeitraum. Kursive Verben (den durativen zugehörig) haben allesamt als Grundlage eine ziellose Aktivität, eine Art von Bewegung ohne Richtung. Weitere Beispiele: lachen, tanzen, schmausen, krächzen. Im Gegensatz dazu drückt das Verb einschlafen den Übergang in den Schlaf aus, also von einem Zustand in den anderen. Es bedeutet, dass eine Person (ein Lebewesen) wach ist und langsam in den Schlaf fällt. Die Verben, die den Übergang von einem Zustand in den anderen beschreiben (wie auch fallen oder übergehen), nennt man perfektiv. Die Verben, die keine Zustandsänderung herbeiführen, nennt man imperfektiv. Das Interessante an den intransitiven (intransitiv bedeutet ohne Akkusativergänzung und transitiv bedeutet mit Akkusativergänzung) perfektiven Verben ist: Sobald das Geschehen angefangen hat, läuft es auf ein Ziel hinaus (griechisch telos), weshalb wir die perfektiven Verben auch als telische Verben bezeichnen können. Einmal begonnen, kann diese Aktion nicht mehr abgebrochen werden. Das bedeutet, dass die Prozesse dann auch direkt ihr Ende gefunden haben, sobald sie angefangen haben, der Anfang ist somit auch das Ende. Wir beziehen uns dabei auf einzelne Wörter (Lexeme) und auf die Grundbedeutung derselben und nicht auf bestimmte Aktionen, wir legen also für diese Ausführung die Aktion als abstrakte Aktion zugrunde. Es gibt bei diesen Aktionen eine Art von Schwelle, die den Beginn und das Ende markiert. Beispiele: aufblühen, entspringen, entstehen, schmelzen, vereisen, gären. Sobald die Blume beispielsweise aufblüht, ist sie aufgeblüht. Und auch wenn sie weiter aufblüht, so ist sie schon aufgeblüht. Es gibt bei diesen Verben kein „werden“. Du erkennst sie sicherlich wieder. Im Kapitel „Das Verb“ haben wir die Bildung des Perfekts behandelt. Die perfektiven Verben sind also sehr wichtig, da sie das Perfekt mit „sein“ bilden, wenn sie keine Akkusativergänzung haben. Die Bedeutungen transformativer Verben im Perfekt und im Präteritum sind aus diesem Grund fast gleich, wobei das Perfekt quasi die Vogelperspektive darstellt und den Prozesscharakter einer Aktion betont.

  • Ich war gestern in Bonn.
  • Ich bin gestern in Bonn gewesen.

Perfektive Verben mit Akkusativergänzung (transitive Verben) nennen wir resultativ (Verben der aktiven Veränderung und des aktiven Beendens). Die intransitiven perfektiven Verben nennen wir transformativ. Die perfektiven Verben bestehen aus transformativen und resultativen.

Übersicht Aktionsarten

Die durativen Verben (imperfektive) lassen sich einteilen in drei Hauptgruppen:

  1. stative
  2. kursive
  3. intransformative

Die Einteilung ist nützlich. Wir lernen zu verstehen, welche Verben mit „werden“, welche mit „sein“ und welche mit „haben“ kombiniert werden können und auch, welche Verben ins Passiv gesetzt werden können und was für eine Art von Passiv vorliegt. Kursive Verben können wir beispielsweise nutzen, um das Passiv auch ohne Akkusativergänzung zu bilden. Es wird geschlafen. Nur kursive Verben können ein subjektloses Passiv (mit inhaltslosem „es“) bilden. Sie bilden das Perfekt immer mit „haben“. Zustände (stative Verben) wie blühen bilden das Perfekt auch mit „haben“ und können nicht mit „werden“ kombiniert werden. Der Baum hat geblüht. Es wird eifrig geblüht. Das Partizip hat eine Bedeutung unabhängig von der Bedeutung des Wortes selbst (unabhängig von der lexikalischen Bedeutung). Die Bedeutung ist für den gesamten Satz sehr folgenreich und für jedes Verb gleich. Auch dies ist gleichsam eine abstrakte Betrachtung aller Partizipien, wobei wir uns auf das Partizip II (auch Partizip Perfekt genannt) beziehen:

Das Partizip bedeutet: Ein Geschehen ist so weit wie möglich fortgeschritten, beendet oder abgeschlossen.

Das Verb sein

Das Verb sein ist ein besonderes Verb und kann nicht einfach so mit den anderen Verben in einen Topf geworfen werden. Weltreligionen vereinnahmen das Wort für sich, Dichter schaffen damit bekannte Zitate und wir benutzen es ebenfalls, ohne viel darüber nachzudenken. Das Verb sein ist ein besonderes Verb, weil es alle anderen Verben beinhaltet. Ob schlafen oder einschlafen, ob brauchen oder treiben oder haben oder sein selbst: Alles ist im Sein begriffen und jedes im Sein begriffene Wesen verändert sich. Weil der Prozess, in den Lebewesen und Materie im Allgemeinen verwickelt sind, Veränderung hervorbringt und daher ein transformativer Prozess ist, ist sein ein transformatives Verb und bildet das Perfekt auch mit sein. Das Gewesene ist somit auch ein Zustand des Seienden, der in der Vergangenheit liegt und nicht mehr ist.

  • Das Buch ist auf dem Tisch.
  • Das Buch ist auf dem Tisch gewesen.
  • Der Fisch ist am Leben.
  • Der Fisch ist am Leben gewesen.
  • Der Fisch war am Leben.
  • Das Wetter ist heute schön.
  • Der Ausflug ist schön gewesen.
  • Er ist ein Held.
  • Er ist ein Held gewesen.
  • Er ist ein Clown.
  • Er ist ein Clown gewesen.

Das Zustandspassiv

Das Zustandspassiv ist die Sein-Form des Passivs, während das Vorgangspassiv die Werden-Form darstellt, dabei läuft das Geschehen in drei Stufen ab:

  1. Der Computer wird repariert. (Präsens Vorgangspassiv)
  2. Der Computer ist repariert worden. (Perfekt Vorgangspassiv)
  3. Der Computer ist repariert. (Präsens Zustandspassiv)

Die 3. Stufe unterscheidet sich äußerlich von der 2. nur durch das Wort werden, das hier fehlt. Doch dieses kleine Wort macht viel aus. „Werden“ bedeutet Aktivität mit einem Ziel. „Sein“ bedeutet, dass etwas einen Zustand angenommen hat, das Ziel ist also erreicht. Der 3. Satz ist somit das Ergebnis. Vorher war der Computer kaputt, nun hat er einen neuen Zustand angenommen: Er ist repariert. Satz 1 und 2 spiegeln noch die Aktivität, die diesen Zustand bewirkt hat (Vorgangspassiv). Der 1. Satz steht im Präsens, d.h. es passiert gerade. Satz 2 bedeutet, dass die Reparatur abgeschlossen worden ist, der Satz steht im Perfekt Passiv und spiegelt das Geschehen, d.h. die Aktivität im Laden bis zum Abschluss des Geschehens und spielt sich in der Vergangenheit ab. Interessanterweise beinhaltet Satz 2 auch die Bedeutung von Satz 3. Das Geschehen ist abgeschlossen worden und das Resultat ebenfalls ersichtlich. Satz 3 beinhaltet nur das Resultat der Arbeit. Daher steht er im Präsens. Nun kann ich meinen Computer wieder benutzen.

Anders gesagt ist das Passiv die Ausdrucksform des sich entwickelnden (Entwicklung: Werden) Resultats (Endzustand: Partizip). Noch ist der Computer kaputt, aber er wird gerade repariert. Der reparierte Zustand "ist" das Resultat, das sich entwickelt.

Die Transformativen

Transformative Verben können kein Passiv bilden. Warum ist das so? Niemand sagt den Bäumen, dass sie wachsen und gedeihen sollen, dass Äpfel reifen sollen usw. Sie tun es auf natürliche Weise, aufgrund ihres Wesens. Die Äpfel sind gereift. Die Sein-Form ist also hier ein Perfekt Aktiv. Eine Werden-Form kann nicht gebildet werden. Die Äpfel sind von ihm gereift worden. Er reift die Äpfel. Apfelbäume tragen Äpfel, weil das so ist. Es gibt keinen Dritten, der das Wachsen veranlasst. Transformativ (lat., umwandelnd), Geschehen, die Veränderung bewirken (intransitiv), sind z.B. abbrechen, sterben, entstehen, wachsen, sein.

Zu den transformativen Verben zählen wir auch Bewegungsverben. Ein Teil dieser Verben setzt jedoch eine aktive Handlung voraus wie z.B. schlendern, gehen, laufen, kommen.

Die Resultativen

Der Abschluss einer resultativen Handlung produziert ein Resultat. In dieser Hinsicht verändern diese Geschehen ein Akkusativobjekt. Man sagt auch, das Objekt sei affiziert (lat. afficio, in einen Zustand versetzen, behandeln) und meint damit nichts anderes, als dass das Objekt eine Behandlung erlebt, die es mutieren lässt:

  • Er schält die Kartoffeln.
  • Er rasiert seinen Bart ab.
  • Er speichert die Daten.
  • Er verdrängt diese Erinnerungen.

Die Kartoffeln, der Bart, die Daten und die Erinnerungen haben danach eins gemeinsam: Sie sind nicht mehr das, was sie vorher waren. Die Kartoffeln sind nun geschält, der Bart ist abrasiert, die Daten gespeichert und die Erinnerungen verdrängt. Es handelt sich dabei um eine Hauptgruppe von Verben, die man sowohl ins Vorgangspassiv als auch ins Zustandspassiv setzen kann. Alle Verben mit Akkusativergänzung bilden das Perfekt mit „haben“. Da die Partizipien vieler dieser Verben einen Zustand darstellen, der durch die Aktion erzeugt worden ist, kann man diese Partizipien als Adjektive verstehen, die einen Zustand beschreiben, zudem sie sich auch wie Adjektive verhalten, z.B. in der Flexion und Kombination mit Artikel und Nomen:

  • das erarbeitete Ziel
  • dieses erarbeiteten Zieles
  • der Angestellte
  • ein Angestellter

Resultative (lat., stoßend) Geschehen, die aktiv Veränderung bewirken, sind z.B. abgrasen, bauen, schälen, putzen, sehen, nehmen, zerstören, kauen, fühlen, hören usw.

Die Intransformativen

Die Sein-Form ist bei diesen Verben nicht das Resultat aus der vergangenen Aktivität, sondern das Resultat ist das Geschehen selbst: Die Mutter zwingt den Sohn dazu, zu lernen. Der Sohn ist dazu gezwungen. Von der Wortbedeutung her kann die Aktivität gar nicht enden. Bei „beteiligen“ wäre es sogar glatter Betrug: Er hat ihn am Gewinn beteiligt. Er beteiligt ihn weiterhin am Gewinn. Er ist beteiligt. Intransformative Verben bezeichnen Vorgänge, in denen kein Ende, kein Ziel und sogar kein Aufhören angelegt sind. Im Gegenteil, ihre Bedeutung beinhaltet Anfang und Fortführung. Die meisten imperfektiven haben zwar kein Ende oder es ist ihnen keine Grenze gesetzt, aber auch sie laufen natürlich nicht unbegrenzt ab. Das Entscheidende bei diesen Verben ist, dass das Verb nicht nur die Veränderung bezeichnet, sondern auch den Zustand nach der Veränderung. Das Bedeutet, dass das Resultat des intransformativen Geschehens auch ein Teil des bezeichneten Geschehens ist.

Bei den resultativen Verben ist nur die Veränderung mit dem finiten Verb bezeichnet. Das Resultat ist logisch erschließbar, aber nicht als Bedeutung im Infinitiv enthalten. Es ist eine Art von „Automatik“ enthalten. Da diese Verben ein Objekt manipulieren und auch verändern, so bringt als Konsequenz der Abschluss eines solchen Geschehens einen neuen Zustand eines Objektes hervor. Und eine weitere Konsequenz ist dann, dass das Partizip diesen Zustand nach dem Abschluss einer Aktion bezeichnet.

Bei den intransformativen Verben ist das Resultat des Geschehens das Geschehen selber. Sie haben zwei Stufen, eine, die Aktivität, und eine, die weitere Aktivität nach der ersten Aktivität beinhaltet. Sie bilden teilweise eine Werden-Form in der 1. Stufe und eine Sein-Form mit der 2. Stufe, z.B. im Verb verstehen, es wird verstanden und es ist verstanden, wobei die Werden-Form und die Sein-Form sich gleichen. Oft gibt es beide Formen: Der Plan wird abgelehnt. Der Plan ist abgelehnt. Der Chef wird gefürchtet. Er ist gefürchtet. Dabei gibt es feine Bedeutungsunterschiede, da „werden“ mehr Aktivität beinhaltet. Der Zustand erfordert aber auch kontinuierliche Aktivität, so dass der Bedeutungsunterschied gering ist. Insofern gleichen intransformative Verben den transformativen Verben. Jedes Voranschreiten von Teilen der Aktivität oder des Prozesses (die nur mathemathisch-abstrakt existieren, nicht real) stellt einen Abschluss dar und kann daher mit dem Partizip bezeichnet werden. Bei transformativen Verben erfolgt weiterer Antrieb des Prozesses teils intrinsisch, bei intransformativen Verben extrinsisch. Intransformative (lat., nicht hinüberführend) Geschehen, deren Ende kein Ende ist, sondern erst der Beginn, sind z.B. wünschen, lieben, beteiligen, zwingen, fürchten, beschützen, benötigen, brauchen, beachten, achten, verachten, leugnen, vorschreiben, ablenken, ablehnen, ausgrenzen, verstehen, ärgern usw. Warum nennen wir sie intransformativ? Der Grund ist, weil das Partizip dieser Verben nicht den Abschluss des Geschehens bezeichnet, sondern den Beginn.

Vorgang resultativ Zustand resultativ
Der Tisch wird geliefert. Der Tisch ist geliefert.
Der Tisch wird bemalt. Der Tisch ist dunkelrot bemalt.
Der Lack wird abgeschmiergelt. Der Lack ist ab.
Der Tisch wird aufgestellt. Der Tisch ist aufgestellt.
Der Tisch wird gebraucht. Der Tisch ist gebraucht.

Der Zustand ist ein Endresultat. Die beiden Formen, die Vorgang und Zustand bezeichnen, haben nicht die gleiche Bedeutung.

Vorgang intransformativ Zustand intransformativ
Der Tisch wird angefordert. Der Tisch ist angefordert.
Der Tisch wird bestellt. Der Tisch ist bestellt.
Der Tisch wird benötigt. Der Tisch ist benötigt.
Der Tisch wird geliebt. Der Tisch ist geliebt.
Auf dessen Sauberkeit wird geachtet. Auf dessen Sauberkeit ist geachtet.

Der Zustand ist kein Endresultat. Die beiden Formen, die Vorgang und Zustand bezeichnen, haben fast die gleiche Bedeutung.

Die Stativen

Stative Verben bezeichnen Zustände:

  • Der Messbecher enthält einen Liter.
  • Wir haben heute schönes Wetter.
  • Ein Liter wird im Messbecher enthalten. (Transitiv, keine Aktivität)
  • Schönes Wetter wird gehabt. (Transitiv, keine Aktivität)

Stativ (lat., ruhend), Geschehen, die einen Zustand darstellen (transitiv oder intransitiv), sind z.B. haben, hoffen, kennen, blühen, regnen, rauschen, sollen, müssen, können, dürfen, wollen, (alle Modalverben außer werden), gelten, fassen (im Sinne von hineinpassen), umfassen, befassen, kosten, geben (es gibt im Sinne von existieren), betragen, kennen, wissen usw.

Reflexive Verben haben auch Akkusativobjekte, da aber das Akkusativobjekt dem Subjekt entspricht, kann hier auch keine Werden-Form stehen:

  • Er beschäftigt sich mit dem Thema.
  • Sich wird von ihm mit dem Thema beschäftigt.
  • Er kämmt sich.
  • Sich wird von ihm gekämmt.
  • Er schämt sich.
  • Er wird geschämt.

Das bedeutet:
Wenn reflexive Verben (resultative reflexive) ein Resultat hervorbringen, dann haben sie auch eine Sein-Form: Er ist gekämmt. Aber es gibt keine Werden-Form. Wenn reflexive Verben kein Resultat (reflexive stative) hervorbringen, dann gibt es weder Sein-Form noch Werden-Form:

  • Er ist geschämt.
  • Er wird geschämt.

Intransformative reflexive können eine Sein-Form bilden, aber keine Werden-Form:

  • Er beschäftigt sich mit dem Thema.
  • Sich wird von ihm mit dem Thema beschäftigt.
  • Er ist beschäftigt.

Die stativen können kein Passiv bilden. Dabei ist festzustellen, dass die Passivformen - auch das Zustandspassiv - immer noch Ausdrucksformen des Verbs sind, also verbale Bedeutung tragen, auch wenn die Partizipien sich wie Adjektive verhalten. Da die Sein-Form aufgrund der inneren Bedeutung des Partizips auch ein abgeschlossenes Geschehen bedeutet und stative Verben keinen Zustand hervorbringen, sondern nur bezeichnen, lässt sich das Partizip Perfekt der transitiven stativen nicht mit sein zu einem Passiv kombinieren. Was da war, ist nun nicht mehr da, weshalb es nicht mehr „sein“ oder „werden“ kann: Es ist gekannt. Das Geld ist gehabt.

Die kursiven

Kursive Verben haben die Bedeutung von Aktivitäten, die vordergründig zu nichts führen. Die Vorgänge haben also kein Resultat, es handelt sich ausschließlich um ziellose Aktivitäten. „Ziellos“ bezieht sich wieder auf die Grundbedeutung des Verbs, nicht auf die Motive der ausführenden Person. In der Bedeutung des Verbs „tanzen“ z.B. ist nicht das Motiv des Tänzers enthalten, dass er oder sie sich amüsieren möchte. Es hat nur die Bedeutung „elegante Bewegungen und Schritte zu Musik“. Sie beginnen zu irgendeinem Zeitpunkt und hören einfach irgendwann auf. Wann das ist, kann man nicht genau sagen, da es sich aus der jeweiligen Situation ergibt, nicht aber aus der Bedeutung des Verbs. Das beste Beispiel dafür ist ein Fest. Es wird gegessen, geredet, getrunken, gelacht und vieles mehr. Auch wenn diese Verben transitiv sein sollten, so verändert sich nichts. Ein Walzer wird getanzt. Die kursiven bilden das (subjektlose) Passiv mit „werden“ und stehen selten mit „sein“. Da das Partizip hier kein Resultat oder eine Zustandsveränderung bezeichnet, beinhaltet es nur den Abschluss einer Handlung. Es wird getanzt. Da das Wort „werden“ Aktivität bezeichnet, ist hiermit die Aktivität des Tanzens bis zum Ende gemeint. Kursiv (lat., laufend) sind Geschehen, die Aktivität beinhalten, Prozesse und Vorgänge (intransitiv), sind z.B. heulen, schreien, stinken, trinken, rauchen.

Das Partizip als Zustandswort

Nicht alle Partizipien tragen die Bedeutung „Zustand“, manche bedeuten einfach, dass ein Geschehen abgeschlossen oder beendet wurde. Wenn die Geschehen nichts hervorbringen, dann ist auch kein Zustand mit dem Partizip bezeichnet.

  1. Bei intransformativen Verben ist der Abschnitt des Geschehens beendet, der das Geschehen bedingt, das Partizip ist ein Zustandswort.
  2. Bei transformativen Verben ist der Abschnitt des Geschehens beendet, der das Geschehen bedingt, das Partizip ist ein Zustandswort.
  3. Bei transformativen Verben ist das Geschehen „abgeschlossen“, das Partizip ist ein Zustandswort.
  4. Bei resultativen Verben ist das Geschehen „abgeschlossen“, das Partizip ist ein Zustandswort.
  5. Bei kursiven Verben ist der Prozess „beendet“, das Partizip ist kein Zustandswort.
  6. Bei stativen Verben ist der vorherige Zustand „beendet“, das Partizip ist kein Zustandswort.



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