Das Verb - Perfekt und Präteritum - Der Aufbau des Tempus und das Partizip Perfekt
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Synopsis: Dieser Abschnitt aus meinem Buch Eine Wesentliche Grammatik handelt vom Verb. Oft fragen die Schüler, was ist der Unterschied zwischen Perfekt und Präteritum? Diese Frage wird hier behandelt. Auch das Partizip wird näher betrachtet. Es ist eine Wortklasse von erheblicher Relevanz für die deutsche Sprache und das Verständnis desselben ist notwendig, um gutes Deutsch zu sprechen (und zu schreiben).

Keywords: Deutsch, Grammatik, Präsens, Perfekt, Präteritum, Tempus, Tempora, Bildung der Tempora, Bedeutung des Perfekts, Bedeutung des Präteritums, Bedeutung des Partizips, Partizip
Erstpublikation:
Aktualisiert, ergänzt und für Html adaptiert:
Sprache: de (Deutsch)

Das Verb

Verben sind Zeitwörter. Sie drücken eine Tätigkeit oder ein Geschehen aus, das in einer bestimmten Zeitspanne abläuft. Die Grundform ist zeitlos. Diese Grundform nennen wir den Infinitiv. Das Präsens beispielsweise drückt aus, dass etwas jetzt, immer oder in der Zukunft abläuft und besteht aus Stamm und Endung:

  • ich hole
  • du holst
  • er/sie/es holt
  • wir holen
  • ihr holt
  • sie holen

Der Stamm ist „hol“. Der Infinitiv ist „holen“. Der Infinitv hat am Ende immer „-en“.

Das Tempus

Verben haben eine Zeitstufe, ein Tempus. Das Wort „Tempus“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „Zeit“. Der Plural ist „Tempora“. In der deutschen Grammatik nennt man Verben deshalb auch „Zeitwörter“. Sie beschreiben Tätigkeiten oder Geschehen und sie beinhalten einen Zeitrahmen (ein Tempus). Etwas kann gerade in diesem Moment passieren, es kann schon vorbei sein oder es passiert vielleicht noch. Wir reden also von:

Zeitstufe Beispiel Bezeichnung
Gegenwart Er spricht. Präsens
Vergangenheit Er sprach. Präteritum
Vergangenheit Er hat gesprochen. Perfekt
Zukunft Er wird sprechen. Futur I

Wir lernen Verben nach einem bestimmten Schema.

Zum Beispiel das Verb „sprechen“:

sprechen spricht sprach gesprochen

Dieses Schema folgt einer bestimmten Reihenfolge, einer zeitlichen Reihenfolge. Das ist wie bei dem Apfelbaum. Erst kommen die Blätter, dann kommen die Blüten und dann die Äpfel. So verhält sich auch das Lernschema. Das Lernschema beinhaltet die „Zutaten“ für die Tempora. Wenn du für ein Verb dieses Schema gelernt hast, dann hast du zwar noch nicht alle Tempora und einzelnen Formen gelernt, aber du bist nah dran. Es ist wie beim Backen. Wenn du einen Kuchen backst, musst du dir zuerst alle Zutaten zurechtlegen. Dann kannst du von dem Verb das richtige Tempus bilden. Zeit kann verschiedene Formen annehmen. Man kann von der Vergangenheit sprechen, von dem, was gerade passiert (die Gegenwart), oder von der Zukunft. Schauen wir uns die wichtigsten Tempora an:

Einige wichtige Tempora:

Übersicht:

Präsens Gegenwartsform/Zukunftsform
Perfekt Vergangenheitsform
Präteritum Vergangenheitsform
Futur Zukunftsform

Das sind die wichtigsten. In der Schule wird zuerst das Präsens durchgenommen, da es die einfachste Form des Verbs ist. Dann kommen die anderen Zeiten dran. Gerne werden sie in Klasse fünf bis sechs immer mal wiederholt. Danach tauchen sie nicht mehr auf, wenn man kein Latein belegt. Das Lernschema beinhaltet Bausteine, die man lernen muss. Gehen wir schrittweise vor: Den Infinitiv nennt man auch die Grundform eines Verbs. Im Deutschen erkennst du den Infinitiv an der Endung „en“.

Beispiele:

  • spielen
  • laufen
  • rennen
  • essen
  • schlafen
  • gehen
  • bauen
  • nehmen usw.

Es handelt sich bei dem Infinitiv nicht um ein Tempus. Das Präsens ist das einfachste Tempus, da du nur bestimmte Endungen an den Stamm anhängen musst. Das kannst du bei fast allen Verben so machen:

Übersicht:

Pronomen Stamm Endung Numerus
ich hol -e 1. Person Singular
du hol -st 2. Person Singular
er, sie, es hol -t 3. Person Singular
wir hol -en 1. Person Plural
ihr hol -t 2. Person Plural
sie hol -en 3. Person Plural

Singular ist die Einzahl.

Plural ist die Mehrzahl.

Die verschiedenen Vergangenheiten

Im Deutschen gibt es zwei wesentliche Möglichkeiten, über vergangene Geschehen zu berichten, das Präteritum und das Perfekt. Es gibt noch eine andere Vergangenheit, die wir anschließend besprechen wollen. Das Perfekt ist eine zusammengesetzte Zeit und besteht aus einem Hilfsverb (haben oder sein) und einem Partizip, wie z.B. ich habe etwas gemacht oder ich bin in die Stadt gegangen. Das Verb machen bildet das Perfekt mit haben, also sagt man: Ich habe es gemacht. Das Verb gehen bildet das Perfekt mit sein, also sagt man: Ich bin gegangen. Das Perfekt ist eine zusammengesetzte Zeitform und besteht daher aus zwei Wörtern. Das Präteritum dagegen besteht nur aus einem Wort. Hier wird nichts zusammengebaut. Der 1. Beispielsatz lautet im Präteritum: Ich machte etwas. Der andere wird: Ich ging in die Stadt. Bei den Formen des Präteritums muss man zwei Gruppen unterscheiden: die Gruppe der Formen, die auch in der gesprochene Sprache genutzt werden, und die Gruppe der Formen, die nur gelegentlich in der Schriftsprache genutzt werden, was von den Sprachkenntnissen des Sprechers abhängt. Um Formen wie „fuhr“ oder „aß“ aktiv zu benutzen, muss ich sie gut kennen, was eine intensive schriftliche Auseinandersetzung mit der Sprache voraussetzt. Zu den Formen, die in der gesprochenen Sprache genutzt werden, gehören z.B. „war, hatte, ging, sah, kam, nahm, arbeitete“. Zu den nicht genutzten Formen gehören beispielsweise „fuhr, aß, roch, lobte“.

Das Präteritum hat keinen unmittelbaren Bezug zur Gegenwart, während das Perfekt die Abgeschlossenheit des Geschehens ausdrückt und einen Bezug zur Gegenwart hat. Ausnahmen sind war und hatte.

Bedeutungen der Tempora:

Tempus Beispiel Bedeutung
Präteritum Er kam. Sie kochte. Er siegte. Das Kommen liegt in der Vergangenheit und hat keinen unmittelbaren Bezug zur Gegenwart. Ob das Geschehen vollendet ist oder nicht, wird nicht immer klar.
Perfekt Er ist gekommen. Sie hat gekocht. Er hat gesiegt. Das Kommen ist vollendet und hat einen Bezug zur Gegenwart.

Das Perfekt kann gelegentlich die Bedeutung des Präteritums annehmen. Dabei werden die Bedeutungen gemischt. Weil das Perfekt eine unmittelbare Beziehung zur Gegenwart besitzt, nennt man es auch das „Erzähltempus“.

Das Partizip

Das Partizip ist wie der Infinitiv auch kein Tempus, sondern ein Baustein, eine Zutat. Man kann auch schwer sagen, als was für eine Wortklasse das Partizip (genauer: Partizip Perfekt) durchgehen soll. Es beschreibt eine Eigenschaft. Daher kann man es gut als ein Adjektiv einordnen, da Adjektive die Eigenschaften von Nomen beschreiben. Dabei darf man aber nicht vergessen, dass Partizipien von Verben kommen, ursprünglich ist das Partizip also ein Verb. Viele Geschehen (Verben) verändern etwas. Wenn z.B. Holz verbrennt, dann verändert dieses Geschehen das Holz. Ist das Geschehen abgeschlossen, so ist das Holz verbrannt. Das Holz hat einen neuen Zustand angenommen, dieser Zustand ist eine Eigenschaft des Holzes. Daher können Verben auch als Eigenschaft auftreten in dem Moment, wo ein Geschehen abgeschlossen ist. Die Wirkung des beendeten Geschehens wird mit dem Partizip beschrieben wie beispielsweise verbrannt.

Beispiele für Partizipien als Eigenschaften

Partizip Nomen Adjektiv + Nomen
verbrannt Holz das verbrannte Holz
erbaut Haus das erbaute Haus
verstorben Mensch der verstorbene Mensch
erfreut Mensch der erfreute Mensch
erblüht Blume die erblühte Blume
verblüht Blume die verblühte Blume
geliebt Mensch der geliebte Mensch
versteckt Schatz der versteckte Schatz

Das Partizip ist ein Baustein, der zusammen mit einem Hilfsverb ein Tempus bildet. Besondere Hilfsverben sind:

  1. sein
  2. werden
  3. haben

Hierbei benötigen wir das Präsens. „Haben“ und „sein“ sind unregelmäßige Verben:

haben

ich habe
du hast
er, sie, es hat
wir haben
ihr habt
sie haben

sein

ich bin
du bist
er, sie, es ist
wir sind
ihr seid
sie sind

werden

ich werde
du wirst
er, sie, es wird
wir werden
ihr werdet
sie werden

Das Perfekt

Haben und sein sind besondere Verben, da sie zusammen mit dem Partizip das Perfekt bilden:

Ich habe es gesehen.

Ich bin gegangen.

Haben oder Sein im Präsens + Partizip ergeben also das Perfekt (das Tempus). Wir nehmen dabei das Präsens von sein oder haben, z.B. ich bin, dann hängen wir das Partizip hinten dran. Wir sehen also, dass das Tempus Perfekt ein Tempus Präsens enthält. Hier geht es wirklich wie beim Backen zu. Erst habe ich Mehl und Eier, dann Kuchen. Das Tempus wird also aus einem anderen Tempus zusammengemischt, quasi aus den Zutaten Präsens und Partizip „gebacken“. Das ist auch der Grund, warum wir das Perfekt in der gesprochenen Sprache so oft benutzen. Wenn wir etwas erzählen, ist es jetzt für uns sehr wichtig.

Doch was ist das Perfekt? Das Perfekt ist eine der genialsten Erfindungen unserer Vorfahren. Es ist die eleganteste Art sich auszudrücken, unheimlich kompliziert, aber doch so einfach. Wir trinken es mit der Muttermilch, daher scheint es einfach. Man kann ein ganzes Buch über das deutsche Perfekt schreiben, so wundersam ist es. Wie das Präteritum ist es eine Vergangenheitsform. Allerdings benutzen wir das Präteritum in der direkten gesprochenen Sprache nicht. Warum? Wir benutzen das Perfekt, denn oft ist entscheidend, ob etwas beendet wurde oder nicht. Es ist ein Unterschied, ob jemand etwas getan hat (Perfekt) oder es tat (Präteritum). Das eine ist vollkommen, fertig, abgeschlossen (Perfekt), beim Präteritum wissen wir es nicht genau. Benutze ich das Perfekt, so ist es getan, es ist gesagt, es ist vollbracht und beendet. Aber das ist nicht alles: Das, was du getan hast, hat eine Wirkung. Diese ist jetzt zu spüren. Das Perfekt ist das Tempus der unmittelbaren Vergangenheit.

Und wann bilden Verben das Perfekt mit „haben“ und wann mit „sein“?

Was das Perfekt betrifft, können wir die Verben in fünf Gruppen einteilen, wobei Gruppe 2 eigentlich auch eine Untergruppe von Gruppe 5 ist und Gruppe 1 auch von Gruppe 4 umfasst wird, so dass es zusammengefasst 3 Gruppen sind:

  1. Verben können eine zielgerichtete Bewegung ausdrücken.
  2. Bewegungen haben nicht immer ein Ziel.
  3. Verben können eine Berührung beschreiben.
  4. Verben können Veränderung (zielgerichtete Bewegung) beschreiben.
  5. Es gibt auch Geschehen ohne Wirkung.
Perfektbildung mit haben oder sein? Kategorien der Perfektbildung graphisch veranschaulicht Beipiele:
  1. gehen, kommen, ankommen, aufstehen, schwimmen (Perfekt mit sein)
  2. kreisen, schweben, fliegen, schwimmen (Perfekt mit haben)
  3. nehmen, geben, essen, greifen, lieben, sehen (Perfekt mit haben)
  4. werden, brechen, fallen, sterben (Perfekt mit sein)
  5. tanzen, lachen, essen, weinen (Perfekt mit haben)

Einteilung der Verben

Doch wie bildet man das Partizip? Mal heißt es „gebaut“, mal heißt es „gelaufen“. Bei den Verben musst du beachten, dass es drei Klassen gibt:

  1. unregelmäßige Verben
  2. starke Verben
  3. schwache Verben

Die unregelmäßigen Verben sind Verben, die im Präsens den Stamm ändern, wie „sein“ mit „ich bin“ und „er ist“. Starke und schwache Verben bilden das Präsens regelmäßig. Der Stamm bleibt im Präsens in allen Formen derselbe:

Pronomen schwach Endung Numerus
ich bau -e 1. Pers. Sg.
du bau -st 2. Pers. Sg.
er
sie
es
bau -t 3. Pers. Sg.
wir bau -en 1. Pers. Pl.
ihr bau -t 2. Pers. Pl.
sie bau -en 3. Pers. Pl.
Pronomen stark Endung Numerus
ich lauf -e 1. Pers. Sg.
du läuf -st 2. Pers. Sg.
er
sie
es
läuf -t 3. Pers. Sg.
wir lauf -en 1. Pers. Pl.
ihr lauf -t 2. Pers. Pl.
sie lauf -en 3. Pers. Pl.

Die Endungen bleiben dieselben. Der Stamm bleibt auch derselbe, d.h. er verändert sich höchstens im Stammvokal (z.B. laufen-läuft). Unregelmäßige Verben sind wirklich sehr unregelmäßig. Das hat mit stark dann gar nichts mehr zu tun. Oft verwundert es, dass das Verb „sein“ überhaupt ein Infinitiv ist.

sein

ich bin
du bist
er, sie, es ist
wir sind
ihr seid
sie sind

Ich bin in der Schule gewesen.

Wie viele unterschiedliche Stämme -einschließlich Partizip- zählst du? Das Beispiel dient gut der Veranschaulichung, wie unregelmäßig dieses Verb doch ist. Es ist der Brennpunkt von Sprache überhaupt. Das Verb ist das größte und wichtigste, daher musst du es unbedingt beherrschen. In allen Sprachen spielt es eine zentrale Rolle. Kommen wir aber zurück zu den Klassen.

Schwache Verben haben folgendes Lernschema:

bauen baut baute gebaut
kucken kuckt kuckte gekuckt
holen holt holte geholt

Das Partizip bildest du hier mit „ge“ + Stamm + „t“. Es ist also ein einfaches Lernschema. Im Grunde brauchst du also nur den Infinitiv (hier z.B. „bauen“) zu lernen. Der Rest ergibt sich, weil es bei allen schwachen Verben dasselbe Lernschema ist. Die meisten deutschen Verben sind schwach.

Starke Verben haben manchmal einen Vokalwechsel im Präsens, im Präteritum ebenfalls:

laufen läuft lief gelaufen
sprechen spricht sprach gesprochen
essen isst gegessen

Das Partizip bildest du hier mit „ge“ + Stamm + „en“. Hier musst du leider das ganze Schema für alle starken Verben lernen: Wirklich wichtig sind ungefähr 100 dieser Verben. Das sind Verben wie „fahren“, „gehen“, „sprechen“, „geben“, „nehmen“, „liegen“, „stehen“ usw., alles, was in unserem Alltag eine besondere Rolle spielt. Insgesamt gibt es wohl 273 starke Verben.

Manchmal fällt die Silbe „ge-“ weg. Das Partizip von „beginnen“ ist z.B. nicht „gegonnen“ oder „gebegonnen“, sondern „begonnen“. Die Silbe „be-“ verdrängt die Silbe „ge-“ von ihrem angestammten Platz. Davon gibt es noch mehr Silben, unter anderem:

ver-
zer-
be-
er-
ent-
um-

Eine Auswahl der starken Verben

Infinitiv Präsens Präteritum Partizip
beginnen beginnt begann begonnen
beißen beißt biss gebissen
biegen biegt bog gebogen
bieten bietet bot geboten
bleiben bleibt blieb geblieben
brechen bricht brach gebrochen
dringen dringt drang gedrungen
empfinden empfindet empfand empfunden
essen isst gegessen
fahren fährt fuhr gefahren
fallen fällt fiel gefallen
fangen fängt fing gefangen
finden findet fand gefunden
fliegen fliegt flog geflogen
fließen fließt floss geflossen
hängen hängt hing gehangen
heißen heißt hieß geheißen
helfen hilft half geholfen
kommen kommt kam gekommen
lassen lässt ließ gelassen
laufen läuft lief gelaufen
lesen liest las gelesen
nehmen nimmt nahm genommen
riechen riecht roch gerochen
schlafen schläft schlief geschlafen
schlagen schlägt schlug geschlagen
schließen schließt schloss geschlossen
schreiben schreibt schrieb geschrieben
sehen sieht sah gesehen
sprechen spricht sprach gesprochen
stehen steht stand gestanden
tragen trägt trug getragen
vergessen vergisst vergaß vergessen
verlieren verliert verlor verloren
waschen wäscht wusch gewaschen
werden wird wurde (ge)worden
ziehen zieht zog gezogen

Diese Liste musst du unbedingt lernen, wenn du keine Muttersprachlerin oder kein Muttersprachler bist. Einige unregelmäßige Verben, sind auch ein Muss:

brennen brennt brannte gebrannt
bringen bringt brachte gebracht
denken denkt dachte gedacht
kennen kennt kannte gekannt
mögen möchte mochte gemocht
nennen nennt nannte genannt
rennen rennt rannte gerannt
senden sendet sandte gesandt
wenden wendet wandte gewandt
wissen weiß wusste gewusst

Warum sind diese Verben nicht stark? Oftmals werden diese Verben mit den starken Verben vermischt. Einerseits sollte man diese Verben schon aus historischen Gründen trennen. In der diachronen Grammatik spielen diese Verben eine besondere Rolle. Andererseits sollte man schon allein aufgrund ihrer Form eine strikte Trennung durchführen. Das ist das weitaus wichtigere Argument, da es psychologisch für Lerner der deutschen Sprache sehr wichtig ist, Verben korrekt zu kategorisieren. Das fördert nämlich die Lernbarkeit der Verben. Diese Verben haben innerhalb der Tempora Vokalwechsel, verhalten sich so wie starke Verben, nutzen aber auch den Mechanismus der schwachen Verben, um das Präteritum und das Partizip zu bilden, mithilfe von „t“ als Infix oder Suffix. Der Lerner muss verstehen, dass die starken Verben zur Bildung von Tempora ein Muster heranziehen, das sich wiederholt, und daher leichter zu erlernen ist.

Das Präsens ist so einfach, da es bei starken und schwachen Verben mit denselben Endungen gebildet wird. Das Präteritum ist auch nicht so schwer. Beachten musst du hier wieder die Vokaländerungen, die Endungen sind auch nicht dieselben bei starken und schwachen Verben.

Übersicht stark/schwach im Präteritum:

Präteritum schwach: Präteritum stark:
ich hol-t-e lief-Ø
du hol-t-est lief-st
er, sie, es hol-t-e lief-Ø
wir hol-t-en lief-en
ihr hol-t-et lief-t
sie hol-t-en lief-en

Beachte die Nullendung in der 1. und 3. Person Singular Präteritum der starken Verben und bemerke das eingeschobene „-t-“ bei den schwachen Verben! Das „-t-“ ist ein auffälliges Merkmal des Präteritums der schwachen Verben. Das Präteritum der schwachen Verben entspricht dem Konjunktiv II der schwachen Verben. Die Endungen ohne das „-t-“ sind ebenfalls die Endungen von Konjunktiv I, weshalb ich es hier mit Bindestrichen markiert und separiert habe. Man sieht, dass es also irgendeine Verbindung zum Konjunktiv geben muss. In vielen Sprachen, nicht nur im Deutschen, werden Vergangenheitsformen benutzt, um auszudrücken, dass etwas Gegenwärtiges nicht real ist wie z.B. im Arabischen oder Englischen.

Oft ist zu lesen, dass die starken Verben unregelmäßig sind. Wie du siehst, ist hier eine Regel anwendbar, denn die Verben folgen alle diesem Schema. Teile die Verben also ein, wie wir es hier tun und die Einzelteile werden sich gedanklich harmonisch fügen.

Kommen wir nun zum Futur (Zukunft). Das Futur bezeichnet Geschehen, die wir uns als zukünftig vorstellen. Wir wissen es nie genau, doch sagen wir z.B.: Der Bus wird um drei kommen. Du kannst hier auch das Präsens nehmen, der Bus kommt um drei, wahrscheinlich hört man das öfter, da das Futur mit „werden“ Entschlossenheit/Sicherheit ausdrückt. Das Präsens nutzt du als Futur bei Gewohnheiten, Fahrplänen, Vereinbarungen usw. Wir bilden das Futur auch wieder, indem wir Tempora zusammensetzen. Wir brauchen als Zutaten:

1. Präsens von „werden“

2. den Infinitiv eines Verbs

Beispiel:

Singular
Ich werde helfen.
Du wirst helfen.
Er wird helfen.
Sie wird helfen.
Es wird helfen.
Plural
Wir werden helfen.
Ihr werdet helfen.
Sie werden helfen.

Ich hoffe, du hast noch im Kopf, dass „sein“ ein Infinitiv ist. Ich wiederhole das, weil es sehr wichtig ist. Beispiel mit „sein“: Ich werde da sein. Es gibt noch weitere Verben wie „werden“. Sie ziehen alle einen Infinitiv nach sich. Es sind besondere Verben, man nennt sie Modalverben. Weitere Modalverben sind müssen, können, dürfen, wollen, sollen, mögen (ich möchte), z.B.: Ich kann helfen. Ich muss helfen. Ich darf helfen. Ich will helfen.

Mehr als Perfekt

Einen weiteren Tempus haben wir gar nicht erwähnt: das Plusquamperfekt. „Plus quam“ bedeutet „mehr als“. Das Plusquamperfekt ist also mehr als perfekt. Wie geht das? Damit ist gemeint, dass etwas noch weiter zurück in der Vergangenheit liegt. Das Plusquamperfekt tritt meist in Erscheinung mit der Konjunktion „als“. Konjunktionen sind kleine Wörter wie als, wenn, weil, dass, obwohl, ob, mit denen man Sätze verbinden kann. Die Konjunktion „als“ verbindet aber nicht Hauptsätze, sondern du kannst damit einen Nebensatz an einen anderen Satz anhängen, z.B.: Die Sonne schien, als wir die Äpfel ernteten. Du erkennst den Nebensatz daran, dass das Verb nicht mehr an der zweiten Position im Satz steht. Das Wort „ernteten“ steht am Ende. Im Nebensatz steht das Verb am Ende. Das Plusquamperfekt bezeichnet, dass ein Geschehen vor einem anderen Geschehen abgeschlossen worden ist.

Beispiel:

Als wir die Äpfel geerntet hatten, türmten wir sie zu einem Haufen.

Es kann sein, dass die Äpfel beim Sammeln getürmt wurden, dann heißt es aber:

Während wir die Äpfel ernteten, türmten wir sie auf einen Haufen.

Derjenige erntet also Apfel für Apfel und gibt Apfel für Apfel zum Haufen. Er muss also die ganze Zeit laufen und klettern.

Benutze ich das Plusquamperfekt, so wird aber klar, dass man erst geerntet hat, die Äpfel lagen verstreut herum, dann beendete man die Ernte und fing an, einen Haufen zu bauen.

Haben oder sein im Präteritum + Partizip ergeben also das Plusquamperfekt (das Tempus). Wir nehmen dabei das Präteritum von sein oder haben, z.B. ich war, dann hängen wir das Partizip hinten dran.

Ich hatte es gesehen.

Ich war gegangen.

Wir hatten die Äpfel geerntet.

haben

ich hatte
du hattest
er, sie, es hatte
wir hatten
ihr hattet
sie hatten

sein

ich war
du warst
er, sie, es war
wir waren
ihr wart
sie waren

Nomen, Pronomen und Verben sind veränderlich. Wie Äpfel wechseln sie ihre Farben und sie sind nur zu einem bestimmten Zeitpunkt reif. Verben verbinden sich mit den verschiedensten Endungen und Hilfsverben. Nomen sind ebenfalls veränderlich, dazu verbinden sie sich mit allen möglichen Artikeln, die Signalwörter für die Kasus sind. Nomen haben auch verschiedene Endungen. Diese sind leider nicht in allen Kasus eindeutig oder überhaupt vorhanden, weshalb man die Artikel als Helfer benötigt. Den Wechsel nennt man bei Verben Konjugation, bei Nomen und Pronomen Deklination, die Veränderung im Allgemeinen Flexion.

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