Eine Wesentliche Grammatik - Was ist Passiv? - Bildung und Bedeutung des deutschen Passivs - die Rolle des Partizip Perfekt
Topics

Wenn du Interesse an einer eigenen Webseite hast, dann ist für dich vielleicht diese Seite interessant. Ich bin dabei, Grundlagen von Webtechnologien zusammenzutragen und zu erklären. Die Möglichkeit, im Internet zu publizieren, sollte jeder nutzen können, der es möchte.


Neu! Deutsche Grammatik Übungen mit Lösungen


Synopsis: Dieser Abschnitt aus meinem Buch Eine Wesentliche Grammatik handelt vom Passiv. Er erklärt genau, wie man den Passiv bildet und was dieser in der deutschen Sprache genau bedeutet. Das Verb „werden“ wird dabei intensiv beleuchtet.

Keywords: Deutsch, Grammatik, Passiv, Bildung, Passivbildung, Bedeutung des Passivs, Bedeutung des Partizip Perfekt, Partizip, Partizip Perfekt
Erstpublikation:
Aktualisiert, ergänzt und für Html adaptiert:
Sprache: de (Deutsch)

Das Passiv

Das Wort kommt aus dem Lateinischen, ist abgeleitet von pati und bedeuted „ertragen, erdulden“. Auch das Wort „Patient“, der Leidende, hat eine Verbindung zu dem lateinischem Wort pati. In der Wissenschaft herrschte früher das Bestreben, eine wortgenaue Übersetzung für diese Fachwörter zu haben. Man nannte das Passiv daher die „Leideform“. Aber wir bleiben beim Begriff Passiv, weil das Fremdwort noch mehr Bedeutung hat wie erdulden, annehmen, lassen, erlauben. Generell haben lateinische Wörter viele Bedeutungen. Betrachten wir die Passivumwandlung.

Das Verb steht im Konstativsatz an Position II:

Subjekt (I) Verb (II) weitere Elemente (III...) Endposition (→)
Der Esel zieht   den Karren.
Der Karren wird vom Esel gezogen.

Wie bei den Musikern und bei den Zuhörern kommt es auf die Sichtweise an. Spiele ich oder wird gespielt? Bin ich aktiv oder passiv? Schlage ich oder werde ich geschlagen? Im Kapitel Kasus haben wir über den Begriff Subjekt geredet. Das Subjekt (hier der Ziehende) steht gerne vor dem Verb, es steht aber gelegentlich auch nach dem Verb, während das Verb im Konstativsatz immer an zweiter Stelle steht. Das Subjekt ist das Element, das maßgeblich an der Ausführung einer Handlung oder am Geschehen beteiligt ist. Der Esel ist derjenige, der das Ziehen vollbringt, also ist der Esel Subjekt (Nominativergänzung). Das Verb werden beschreibt nicht, was mit dem Esel passiert, sondern was mit dem Karren los ist. Der Karren wird etwas. Also ist im Passivsatz der Karren das Subjekt. Die Satzglieder werden im Zuge einer Umwandlung vom Aktiv zum Passiv in der Form eines Kreuzes vertauscht:

Eine Passiv-Umwandlung, das Subjekt wird mit von angeschlossen, das Akkusativobjekt wird zum Subjekt also zum Nominativobjekt Eine Passiv-Umwandlung, das Subjekt wird mit von angeschlossen, das Akkusativobjekt wird zum Subjekt also zum Nominativobjekt

Die Transformation (die Umwandlung) kannst du immer auf diese Weise vornehmen und sie kann dir als graphische Richtschnur dienen. Weißt du noch, was ein Partizip ist? Das sind Wörter wie geschlagen, gelaufen, gegessen. Das Verb ziehen erfährt eine Transformation zum Adjektiv/Partizip, also gezogen. Das Subjekt des Aktivsatzes steht im Nominativ und wird im Passiv an die Präposition von angehängt (vom Esel). Es erfährt also im Passivsatz eine Transformation in den Dativ, da die Präposition von den Dativ regiert. Den Karren ist im Aktiv Akkusativergänzung. Im Passivsatz wird die Akkusativergänzung zum Subjekt (Nominativergänzung). Im Aktivsatz ist ziehen das Verb. Wer vollbringt das Ziehen? Der Esel tut es. Also ist der Esel Subjekt. Im Passivsatz ist „werden“ immer das Verb. Werden bedeutet, dass sich etwas verändert. Die Valenz von werden bringt es mit sich, dass kein Objekt vorhanden ist. Ein Adjektiv bezeichnet die Richtung in die sich etwas bewegt, den Endzustand:

  • Das Kind wird groß. Groß ist der Endzustand.
  • Der Tag wird heiß. Heiß ist der Endzustand.
  • Es wird gut. Gut ist der Endzustand.

Im Passiv ist es auch so. Das Partizip bezeichnet den Endzustand, zu dem sich eine Veränderung am Subjekt des Passivsatzes entwickelt.

  • Das Haus wird gebaut.
  • Das Haus wird fertig.

In unserem Beispiel mit dem Esel ist der Karren das Glied, das eine Veränderung erfährt (Subjekt bei werden). Man könnte meinen, der Karren werde nicht verändert, jedoch hat der Karren einen neuen Zustand angenommen, denn gezogen bedeutet, dass der Esel nicht mehr zieht. Materiell hat der Karren keinen neuen Zustand angenommen, aber situativ. Der Karren steht. Abstrakt formuliert kann man sagen, der Karren entwickelt sich zum Zustand des Stehens (davon abgesehen, dass eine Ortsveränderung stattgefunden hat). Noch steht er nicht, denn er wird gezogen. Er wird bald stehen und das Stehen kann nur passieren, wenn das Ziehen abgeschlossen ist.

  • Er wird stehen.
  • Er wird gezogen.

Man kann nun sagen, dass die beiden Sätze die gleiche Bedeutung haben, obwohl der eine Satz im Futur I steht und der andere im Passiv Präsens. Eine einfache Einordnung der Tempora ist, wie diesem Beispiel zu entnehmen ist, nicht möglich. Daher sollte man den Begriff Futur I vermeiden, zumal wenn es um die Bildung des Tempus Futur I geht. Didaktisch bereitet man das Thema werden so auf, dass dieses sehr wichtige Verb in Verbindung mit einem Infinitiv ein Modalverb ist und in Verbindung mit einem Partizip das Passiv ausdrückt.

Der Akkusativ ist ein Zeiger dafür, dass eine Transformation oder eine Berührung oder eine Bewegung an einem Objekt durch das Ausführen einer Handlung oder durch ein Geschehen vollzogen wird. Viele Verben haben ein Subjekt und eine Akkusativergänzung. Es ist eines der wichtigsten Sprachmuster:

  • Du holst ihn.
  • Der Arzt heilt den Kranken.
  • Das Kind liest den Text.
  • Die Tochter sagt die Wahrheit.
  • Der Vater lobt die Tochter.

Es gibt noch eine weitere Art von Passiv, auch Verben ohne Akkusativergänzung können ein Passiv bilden. Sätze mit Verben ohne Akkusativergänzung:

  • Sie feiern.
  • Sie speisen.
  • Sie lachen.
  • Sie reden viel.
  • Sie trinken.

Im Passiv:

  • Es wird gefeiert.
  • Es wird gespeist.
  • Es wird gelacht.
  • Es wird viel geredet.
  • Es wird getrunken.

Du kannst auch hier das Subjekt des Aktivsatzes mit von anhängen. Es wird von ihnen gefeiert. Das ist aber nicht üblich, da das Subjekt nicht von Interesse in dieser Art von Satz ist. Interessant ist in diesem Fall vor allem die Handlung. Das „Es“ ist dem Anschein nach zwar ein Pronomen, aber es steht für nichts, es ist inhaltslos. Dieses inhaltslose Es findest du auch in Aktivsätzen. Das liegt daran, dass ein deutscher Satz immer ein Subjekt benötigt. Da aber hier keine Person oder kein greifbarer Gegenstand verantwortlich ist für das Geschehen, so deutet das Es auf die Natur selbst.

  • Es regnet.
  • Es schneit.
  • Es wird Sommer.

Weitere Tempora: (s. Übersicht Konjugation)

  • Der Honig wird vom Imker geerntet. (Präsens)
  • Der Honig wurde vom Imker geerntet. (Präteritum)
  • Der Honig ist vom Imker geerntet worden. (Perfekt)

Das Verb werden ist genauso wie das Verb sein eines der wichtigsten Verben in allen Sprachen, nicht nur im Deutschen. Die Valenz dieses Verbs zeigt sich in vier Formen:

  1. werden + Nominalphrase (Das Kind wird ein starker Mann.)
  2. werden + Adjektiv (Das Wetter wird heute schön.
  3. werden + Infinitiv (Ich werde heute spazieren gehen.)
  4. werden + Partizip (Die Tiere werden getötet.)
    © primitivecode.com    CSS ist valide! 


HTML5 Powered with CSS3 / Styling, and Semantics


nach oben ↑